Europawahl 2024 – Interesse an der EU steigt im Wahlkampf

Europawahl 2024 – Interesse an der EU steigt im Wahlkampf

Franziska Schrader - 7. Juni 2024

Die Europawahl 2024 – zum Interesse an der EU und zur Bekanntheit der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten

Von Donnerstag, 06. Juni, bis zum Sonntag, 09. Juni 2024, wird in Europa gewählt. Ungefähr 373 Millionen Menschen dürfen in diesem Zeitraum ihre Stimme für das nächste Europaparlament abgeben. In Deutschland findet die Wahl am Sonntag statt. Im Januar 2024 und Mai 2024 hat YouGov wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger zu ihren Einstellungen, Wissensstand und Nachrichtenkonsum zum Thema Europäische Union befragt. Hier zeigt sich ein wechselhaftes Bild: neben einer größtenteils positiv bewerteten EU und dem Verlangen nach mehr europäischer Integration steht die Erkenntnis, dass Spitzenkandidatinnen und Spitzenkadidaten für die kommende Wahl auffallend unbekannt sind.

Im Kontext des EU-Wahlkampfs mehr Aufmerksamkeit und Interesse für die EU

Die Europawahl ist im Bewusstsein der deutschen Wahlberechtigten angekommen. Dies zeigen die Ergebnisse mehrerer Umfragen, die YouGov in den vergangenen Monaten durchgeführt hat. In der aktuellsten Befragung von Ende Mai sind deutliche Unterschiede im Vergleich zum Januar dieses Jahres zu erkennen.

In dieser YouGov Umfrage wurden vom 31.05. - 05.06.2024 n= 2.295 wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger befragt. Im Januar wurden vom 19.01.2023 - 23.01.2024, n=2.284 wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger befragt.

Während im Januar nur gut jede und jeder Fünfte (22 Prozent) angab, sich täglich über Nachrichten zum Thema Europäische Union zu informieren, stieg dieser Wert in der aktuellen Befragung um fast 10 Prozentpunkte (auf 31 Prozent). Auch ist die Zahl derer leicht gewachsen, die angeben, sich wöchentlich zu informieren (von 31 auf 33 Prozent). Die Anteile derer, die sich seltener informieren sind dagegen gesunken (monatlich von 10 auf 8 Prozent, seltener als monatlich von 15 auf 13 Prozent). Außerdem wichen weniger Befragte einer Antwort aus, indem sie die Kategorie „Weiß nicht / keine Angabe“ auswählten: Im Januar lag dieser Wert bei 13, in der aktuellen Umfrage nur noch bei 8 Prozent. Dabei ändert sich der Nachrichtenkonsum zum Thema Europäische Union unabhängig vom Nachrichtenkonsum zu allgemeinen Themen welcher im gleichen Zeitraum einen nur geringen geringen Anstieg erfahren hat: Im Januar gaben 85 Prozent der Befragten an, sich täglich oder wöchentlich über Nachrichten zu informieren, in der aktuellen Befragung 88 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass das Thema Europäische Union im Kontext des EU-Wahlkampfs prominenter wahrgenommen wird.

Auch das Interesse der Befragten an der Europäischen Union unterliegt einem ähnlichen Effekt. Gaben im Januar noch 47 Prozent der Befragten an, sich (eher) stark für diese Thema zu interessieren, sind es aktuell 54 Prozent. Ein schwaches Interesse bekundeten im Januar dagegen 45 Prozent, während es aktuell 40 Prozent sind.

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Schlecht eingeschätzter Informationsstand mit Tendenz zur Besserung

Ein Großteil der Befragten (54 Prozent) fühlt sich Ende Mai - kurz vor der Wahl – (eher) schlecht über die Entscheidungsprozesse der Europäischen Union informiert. Dieser Wert ist im Vergleich zum Januar stabil (55 Prozent). Gleichzeitig ist aber der Anteil derer, die sich gut informiert fühlen in diesem Zeitraum von 31 auf 37 Prozentpunkte gestiegen. Dies lässt sich vor allem durch den gesunkenen Anteil in der der Kategorie „Weiß nicht / keine Angabe“ (von 15 auf 10 Prozent) erklären. Es gibt also Hinweise darauf, dass zumindest bei Teilen der Bevölkerung Unsicherheiten über die Funktionsweisen der EU im Zuge des Wahlkampfs abgebaut wurden.

Strack-Zimmermann und Krah bekannteste Spitzenkandidat:innen

Obwohl die Europawahlen im Zuge des Wahlkampfes deutlich stärker ins Bewusstsein der Befragten gerückt zu sein scheinen, ist das Bekanntheitsniveau der Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatinnen auf niedrigem Niveau. Je nach Kandidatin oder Kandidat geben zwischen 21 und 60 Prozent der Befragten an, diese nicht zu kennen. Zum Vergleich: Für Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck geben dies nur 2 Prozent an und der Wert für Verteidigungsminister Boris Pistorius liegt bei 13 Prozent.

Die bekannteste Spitzenkandidatin ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP, von der nur 21 Prozent der Befragten angeben, sie nicht zu kennen. Den zweiten Platz im Bekanntheits-Ranking belegt dann Maximilian Krah von der AfD mit 27 Prozent Nicht-Bekanntheit. Im Mittelfeld liegen Katarina Barley (SPD, 34 Prozent), Carola Rackete (Die Linke, 38 Prozent) und Manfred Weber (CSU, 42 Prozent). Der zweite Spitzenkandidat der Partei Die Linke, Martin Schirdewan, ist mit 47 Prozent noch einmal unbekannter als seine Mitstreiterin. Die Kandidaten und Kandidatinnen vom BSW (Fabio de Masi, 51 Prozent), den Grünen (Terry Reintke, 59 Prozent) und der CDU (Andrea Wechsler, 60 Prozent) sind über der Hälfte der Befragten nicht bekannt.

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Wahlkampf verbessert Haltung zur EU

Betrachtet man die Veränderung der Einstellung zur EU zeigt sich, dass nicht nur der Nachrichtenkonsum zum Thema, sondern auch die eigentliche Einstellung der Befragten zur EU sich während des Wahlkampfs verbessert hat. So ist die positive Bewertung seit Anfang des Jahres um 5 Prozentpunkte gestiegen (Januar 56, aktuell 61 Prozent). Auch hier ist wieder eine Abnahme der Ausweichkategorie zu beobachten (16 auf 12 Prozent), während die negative Bewertung der EU stabil geblieben ist (Januar: 27 Prozent, aktuell 26 Prozent).

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Auffällig sind hier deutliche Bildungsunterschiede. Fast drei Viertel (73 Prozent) der höher Gebildeten geben an, eine positive Einstellung zur EU zu haben, während dieser Wert in der mittleren Bildungsgruppe bei 57 Prozent und in der niedrigen Bildungsgruppe bei 54 Prozent liegt. Eine negative Einstellung hat nur jeder Fünfte (20 Prozent) in der Gruppe der hoch Gebildeten, in den anderen beiden Gruppen liegt der Wert jeweils bei etwa 30 Prozent (mittel 31, niedrig29).

Ähnliches zeigt sich bei der Frage, ob Menschen sich mehr oder weniger EU-Integration wünschen. Der Anteil derer, die sich mehr Integration wünschen, ist seit Januar von 44 auf 54 Prozent gestiegen. Der Anteil der Personen, die sich weniger Integration wünschen ist dagegen von 25 auf 20 Prozent gesunken. Auch hier sind in der aktuellen Umfrage etwas weniger Personen einer konkreten Antwort durch die Kategorie „Weiß nicht / keine Angabe“ ausgewichen: Im Januar waren es 15 Prozent, in der aktuellen Umfrgae nur 11 Prozent.

Die Hälfte der Deutschen hält Europawahl und Bundestagswahl für gleich wichtig

Europawahlen sind in der Regel durch eine verhältnismäßig niedrige Wahlbeteiligung gekennzeichnet. Trotzdem hält die Mehrheit der Befragten (51 Prozent) die Europawahl für genauso wichtig wie die Bundestagswahl. 21 Prozent finden die Europawahl dagegen wichtiger, während 20 Prozent die Europawahl weniger wichtig finden.

Auffällig ist, dass jüngere Befragte im Vergleich zur Gesamtbevölkerung die Europawahl deutlich seltener als wichtiger empfinden als die Bundestagswahl. In der Altersgruppe der 18-29 Jährigen geben nur 13 Prozent an, die Europwahl wichtiger als die Bundestagswahl zu finden. Gleichzeitig wählen in dieser Altersgruppe deutlich mehr Befragte die Kategorie „Weiß nicht / keine Angabe“ (16 Prozent unter den jungen Befragten, 8 Prozent in der Gesamtbevölkerung). Es scheint bei den Jüngeren Befragten also weniger Interesse oder aber mehr Verunsicherung bei dieser Frage vorzuherrschen.

Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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